Bei unserer Jugendredaktion „Stadt, Land, deine Themen“ haben Lara und Leia eine Kunstwanderung durch die Cottbusser Innenstadt begleitet und sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Wahrnehmung von Kunst verändert, wenn sie außerhalb eines Museums stattfindet.
Am Freitagnachmittag herrschte das perfekte Wetter für eine Kunsttour durch Cottbus: strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen und keine Wolke weit und breit.
Unsere Tour begann am Dieselkraftwerk am Amtsteich, wo wir bereits die ersten beiden Kunstwerke von Erik Göngrich bewundern konnten. Leider konnte der Künstler selbst nicht vor Ort sein.
"Form follows parking" - Erik Gönrich
Leia Graske, Lara Winkler
Kunst für die Stadt
Leia Graske, Lara Winkler
Anschließend ging es in gemütlichem Tempo durch das sehenswerte Stadtzentrum von Cottbus. Schließlich erreichten wir die Spremberger Straße, kurz vor dem Altmarkt. Dort erwarteten uns drei weitere Plakate der Künstlerin Wiepke Loeper.
Ihr Kunstwerk trägt den Titel „Falsche Fische“. Auf den ersten Blick wirken die abgebildeten Fische täuschend echt, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass sie lediglich aus Pappe bestehen. Damit möchte die Künstlerin die Menschen dazu anregen, ihre Wahrnehmung zu schärfen und genauer hinzusehen.
Auch die Farbwahl ist kein Zufall: Für den Hintergrund entschied sie sich bewusst für ein helles Blau, das Leichtigkeit, Gelassenheit und Frieden symbolisieren soll.
Die Inspiration für das Motiv entdeckte Wiepke Loeper in einem Schaufenster für Seebestattungen, das sie fotografierte. Sie entschied sich gezielt für dieses Bild, da sie damit auch eine wichtige Botschaft vermitteln möchte: die Hoffnung, dass die Menschen ihre eigene Demokratie nicht begraben.
"Falsche Fische" 1 - Wiebke Loeper
Leia Graske, Lara Winkler
"Falsche Fische" 2 - Wiebke Loeper
Leia Graske, Lara Winkler
Auf dem Weg zur Spree Galerie kamen wir mit einigen Teilnehmern der Kunsttour ins Gespräch. Sie erzählten uns, dass sie häufiger in Cottbus seien und auch gerne das Dieselkraftwerk besuchten.
Während unseres Spaziergangs begegneten wir außerdem zahlreichen Fans des FC Energie Cottbus, da am Abend ein wichtiges Fußballspiel bevorstand. Gleichzeitig waren vor der Stadthalle viele elegant gekleidete Menschen unterwegs, die die Veranstaltung „Tag der Meister“ besuchten.
Als wir schließlich mit der Rolltreppe in das Untergeschoss der Spree Galerie fuhren, erwartete uns eine Überraschung. Statt eines dunklen, kühlen und tristen Kellers fanden wir zahlreiche Stehtische mit weißen Tischdecken, wunderschöne Blumen und Knabbergebäck vor. Auch für Getränke war gesorgt: Limonaden und Wein wurden von Edeka Scholz kostenlos zur Verfügung gestellt.
Das eigentliche Highlight war jedoch die riesige Comiczeichnung der Comiczeichnerin und Illustratorin Anna Haifisch, die uns dort empfing und sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog.
"Drifter 2" - Anna Haifisch
Leia Graske, Lara Winkler
"Drifter 1" - Anna Haifisch
Leia Graske, Lara Winkler
In einem anschließenden Gespräch mit Ulrike Kremeier erfuhren wir mehr über die Organisation der Kunsttour. Sie ist die langjährige Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK) und war sowohl für die Planung der Tour als auch für die Platzierung der einzelnen Kunstwerke in der Stadt verantwortlich.
Bei der Organisation war ihr besonders wichtig, dass das Dieselkraftwerk eine zentrale Station bildet und die verschiedenen Kunstwerke durch einen sinnvoll gestalteten Spaziergang miteinander verbunden werden.
Doch ihr Ziel ging noch darüber hinaus: Die Besucher sollten nicht nur die Kunstwerke entdecken, sondern gleichzeitig die Möglichkeit bekommen, ihre Stadt aus einer ganz neuen Perspektive kennenzulernen.
Die Tour zeigte eindrucksvoll, dass Kunst nicht nur hinter Museumstüren zu finden ist, sondern manchmal genau dort, wo wir sie am wenigsten erwarten.
*Dieser Beitrag ist im Rahmen einer eintägigen Jugendredaktion entstanden. *
Die mobile Jugendredaktion ist Teil des Projekts nah:dran – Medien für alle. Im Mittelpunkt stehen die Themen, Wünsche und Anliegen junger Menschen aus strukturschwachen Regionen. Ziel ist es, ihnen eine Plattform zu bieten und ihre Perspektiven in der Medienlandschaft sichtbar zu machen. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!” durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
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